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ARO

Research Note

Beobachtete und angenommene Wettbewerber in KI-Empfehlungen

Warum die Wettbewerberliste aus dem Vertrieb ein schlechter Ausgangspunkt für die Messung ist - und was stattdessen als Referenzmenge dient.

Autor
Tim Hilgendorf
Lesezeit
5 Min.
Status
Entwurf, unveröffentlicht

Was dieser Text ist - und was nicht

Dies ist ein Methodik- bzw. Research-Note-Beitrag. Er beschreibt ein Verfahren und begründet Entscheidungen. Er enthält keine eigenen Studienergebnisse, keine Kundendaten und keine Erfolgszahlen. Sobald wir eigene, sauber erhobene Messreihen veröffentlichen können, werden diese als eigenständige Beiträge mit vollständiger Datengrundlage erscheinen.

Fast jedes Unternehmen kann auf Nachfrage drei bis fünf Wettbewerber nennen. Diese Liste stammt aus verlorenen Ausschreibungen, aus Messegesprächen und aus dem Vertrieb. Sie ist wertvoll - aber sie ist für diese Messung nicht die richtige Referenz.

Zwei verschiedene Mengen

Angenommene Wettbewerber sind die Unternehmen, gegen die man sich im Markt positioniert sieht. Beobachtete Wettbewerber sind die Unternehmen, die ein KI-System bei einer konkreten Buyer Prompt tatsächlich vorschlägt. Die zweite Menge entsteht nicht aus Marktanteil oder Qualität, sondern daraus, was im Web über einen Anbieter auffindbar und zuordenbar ist.

Deshalb enthält sie regelmäßig Namen, die im Vertrieb nie auftauchen: sehr kleine, aber im Web präzise beschriebene Anbieter; internationale Player, die zum deutschen Mittelstand kaum passen; oder Unternehmen aus einer benachbarten Kategorie, die für das Modell nah genug erscheint.

Warum die beobachtete Menge zählt

Wenn ein Interessent seine Buyer Prompt einem KI-System stellt, ist die beobachtete Menge das, was er zu sehen bekommt. Ob diese Menge marktlogisch sinnvoll ist, spielt für seinen nächsten Schritt keine Rolle. Für die Messung ist sie damit die relevante Referenz - und für die Optimierung liefert sie die interessanteren Hinweise.

Was man aus der Differenz lernt

  • Angenommen, aber nicht beobachtet: Ein bekannter Wettbewerber ist bei diesem Intent selbst unsichtbar. Das ist eine Gelegenheit, kein Beweis für Irrelevanz.
  • Beobachtet, aber nicht angenommen: Jemand hat im Web eine Evidenzlage aufgebaut, die zu diesem Intent besser passt. Es lohnt zu prüfen, woran das liegt.
  • In beiden Mengen: Hier ist der Wettbewerb echt und wird im Web bereits ausgetragen.
  • Wiederkehrende Fremdanbieter über mehrere Intents hinweg: ein Hinweis auf eine strukturelle Positionierung, nicht auf Zufall.

Konsequenz für das Vorgehen

Wir fragen die Wettbewerberliste eines Kunden bewusst erst nach der ersten Messung ab. Nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weil die Kenntnis der Liste die Auswahl der Prompts unbewusst in ihre Richtung zieht. Der Abgleich beider Mengen ist danach einer der aufschlussreichsten Teile des Audits.

Der erste Schritt ist eine Messung, keine Maßnahme.

Wir starten mit einem definierten Prompt-Set aus Ihrer Kaufsituation und messen, wo Sie heute stehen. Ohne diese Ausgangslage lässt sich später nicht beurteilen, ob eine Veränderung eingetreten ist.